Was ist Okinawa Matayoshi Kobudo?
Die Pazifik-Insel Okinawa ist die Keimzelle der traditionellen,
japanischen Kampfkunst. Während vieler Jahrhunderte in Selbstverwaltung
mit blühendem Handel entwickelten die Inselbewohner verschiedene
Kampftechniken, vor allem um die häufigen Überfälle
durch Piraten abwehren zu können.
Nach der Eroberung durch die Japaner war den Bewohnern der Insel
unter Fremdherrschaft das Tragen von Waffen verboten. Wollten sie
sich verteidigen, so mussten sie sich auf ihre körperliche
Kraft und Geschicklichkeit verlassen. Gut gerüstet waren sie
in dieser Situation durch die Kampfkunst "Karate", was
auf japanisch bedeutet "mit leeren Händen", Kampf
allein durch Körpereinsatz.
Und die Okinawesen hatten noch mehr zu bieten. Da ihnen das Tragen
von Bauern-, Fischer- und Handwerkszeugen nicht untersagt war, setzten
sie diese Arbeitsgeräte im Kampf als hocheffiziente Waffen
ein. Die Geburtsstunde einer neuen Kampfkunst, genannt "Kobudo",
übersetzt "Kampf mit dem Stock" oder "Alter
Weg des Kriegers". Kobudo war eine Geheimkunst, die nur von
wenigen Meistern praktiziert und weitergegeben wurde. Darum existierten
auch kaum schriftliche Überlieferungen. Im 19. Jahrhundert
verlor sich durch soziale Änderungen in Japan der kämpferische
Hintergrund des Kobudo und es geriet langsam in Vergessenheit. Bis
Anfang des 20. Jahrhunderts war daraus eine bruchstückhafte
Kunst geworden. Die wenigen praktizierenden Meister waren Experten
für eine oder höchstens zwei Waffen. Ein aus Okinawa stammender
Meister, Shinko Matayoshi, nahm sich dann jedoch der Erhaltung des
Kobudo an, stellte die Kobudo-Techniken zusammen und sorgte dafür,
dass diese nicht unwiederbringlich im Laufe der Zeit verloren gingen.
Heute ist Kobudo eine der offiziellen Disziplinen, die im Kampfkunstzentrum
von Okinawa gelehrt werden und das Interesse im Ausland nimmt ständig
zu.
Das heutige Kobudo entleiht seine Basis-Bewegunsabläufe, die
so genannten Katas, dem Karate. Bei Meisterschaften werden unterschiedliche
Aspekte beim Laufen der Katas bewertet. Zum Beispiel die Perfektion
der Bewegungsausführung, ihr Rhythmus, die Atmung und die "Kime".
Darunter versteht man die Bündelung der Kraft auf einen Punkt
in einem kurzen Moment, meist von einem Schrei begleitet.
Während des Trainings tragen die Sportler eine schwarze Jacke
auf weißer Hose, ein Symbol für die Gegensätze im
Universum, das Prinzip von Yin und Yang.
Zu den traditionellen Kobudo-Waffen gehört der "Bo",
ursprünglich wohl ein hölzerner Wanderstab, der sich in
verschiedenen Längen ausgezeichnet als Nahkampf- und Selbstverteidigungswaffe
eignet. Das "Tunqua", ein Schlagstock mit Seitengriff
war der Griff einer Getreidemühle. Es wird auch bei Polizei
und Grenzschutz eingesetzt, wo es unter der nüchternen Bezeichnung
"Mehrzweckeinsatzstock" (MES) hauptsächlich einzeln
und zur Verteidigung benutzt wird. Eine der wenigen Kobudowaffen
mit Klinge ist eine Sichel, genannt "Kama", ursprünglich
ein Gerät zum Ernten von Reis. Ein kleiner Dreizack aus Metall,
der "Sai", eignete sich dazu, ein Schwert zu blocken und
einzuklemmen.
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